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Herzlich Willkommen auf der Homepage der FamilienBildungsStätte Bischofswerda…

Träger: AG für Familienbildung Bischofswerda e.V.

29. März 2021

Aktuelles

Noch immer entspannt sich die Lage in unserem Landkreis nicht wirklich. Ein Jahr Lockdown mit Kontaktbeschränkungen und Auswirkungen vor allem auch auf unsere Arbeit liegen nun schon hinter uns. Es wird auch weiterhin keine Angebote für Familien in Form von Eltern – Kind- Gruppen, Familiencafé oder Familiensport geben können.  Wir sind aber telefonisch oder per Mail zu erreichen und haben ein offenes Ohr für Probleme und Sorgen. Auch Elternbriefe mit Ideen und Wissenswertem für den derzeit besonders herausfordernden Familienalltag werden weiter veröffentlicht bzw. per Mail zugesandt. Hierzu ist eine Anmeldung unter kuhn_fbsbiw@web.de möglich.

offizielle Hilfsangebote

Auf der Heimfahrt von einem Besuch bei polnischen Freunden unterbrachen wir die ermüdende und langweilige Fahrt (für unsere damals 7, 5 und 4 Jahre alten Kinder) in Boleslawiec (Bunzlau). Wir parkten am Markt und wollten uns etwas die Beine vertreten. Bunzlau ist berühmt für seine Keramik und so kam es, dass mein Mann und ich die Idee hatten in eines der großen Keramikgeschäfte zu gehen, um zu schauen und vielleicht auch etwas zu kaufen. Das erste Geschäft am Platz war vom Fußboden bis zur Decke voll mit gefüllten Regalen und Tischen, auf denen sich Pyramiden mit Tontöpfen und Krügen stapelten. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon unsere drei vom Stillsitzen im Auto hippeligen Kinder durch die Gänge flitzen. Und ich stellte mir vor wie Pyramiden aufgeschichteter Krüge zu Boden gehen. Also entschlossen wir uns unsere Kinder zu bitten, vor dem Geschäft zu warten, sich die Schaufenster anzusehen und vor allem nicht wegzulaufen.

Ach, welch ein Moment der Freude! Ohne ständig Sorge vor Unvorhergesehenem, ohne Rangelei und Zetern einfach durch die Gänge schlendern, das eine oder andere zu betrachten und Kaufentscheidungen ohne Drängeln zu fällen. Wie viel Zeit so vergangen war, vermag ich nicht mehr zu sagen.

Unsere entspannten Minuten wurden durch das helle Läuten der Türglocke unterbrochen und wir sahen, wie ein älterer, sehr eleganter Herr den Laden betrat an jeder Hand eines unserer Kinder, die Älteste vor sich her stupsend. Noch ehe wir etwas sagen konnten, wandte sich der Herr an uns (außer uns und der Verkäuferin war niemand im Geschäft) und sagte sehr vornehm in perfektem Deutsch: „Gehören diese Kinder zu Ihnen?“

In meinem Herzen rasten die widersprüchlichsten Gefühle durcheinander. Glück, die Kinder wieder zu sehen, Peinlichkeit und Scham darüber, sie tatsächlich einen kurzen(?) Moment aus den Augen und aus dem Sinn gelassen zu haben. Angst, es könnte etwas Schlimmes passiert sein. Aber unsere Drei sahen sehr fröhlich und sorgenfrei aus.

Folgendes war in der Zeit, in welcher wir Keramik schauten, passiert.

Unseren Kindern wurde es langweilig und sie entschlossen sich auf eigene Faust eine Runde über den Markt des Städtchens zu spazieren. Wer die Idee hatte war später nicht mehr in Erfahrung zu bringen. So spazierten drei deutschsprechende, kleine Kinder frohgemut über den Markt von Boleslawiec. Sie blieben nicht unbemerkt. Als dieser Herr sie fragte, wo denn ihre Eltern wären, zeigten sie ihm das Geschäft und so wurden uns die Kinder zurückgebracht.

Wie sie da nun vor uns wie die Orgelpfeifen standen, drängten sich in mir schon viele nicht gerade pädagogisch wertvolle Worte nach draußen und ich hatte wohl schon den typischen „ Zornigblick“ für  brenzlige Situationen, wie ihn unsere Kinder viel später nannten.

All das ereignete sich in Sekunden schnelle. Als wir auf die Frage, ob das unsere Kinder wären mit Ja antworteten schaute uns der Herr mit seinen hellen, klugen Augen sehr intensiv an und sagte: „Da sind sie sehr reich“. Dann verließ er freundlich grüßend den Laden.

Mein Mann und ich schauten uns an. Wir sind sehr reich?  Reichtum definierten wir anders. Das Kinder reich machen, war uns noch nicht in den Sinn gekommen. Bei aller Freude über die Drei überwog doch oft die Mühsal des Alltags.

Der Satz des freundlichen polnischen Herrn ging uns damals nicht aus dem Sinn und noch heute (32 Jahre später) klingt er (in uns) nach.

Sind Kinder wirklich ein Reichtum? Wenn ja, wie kann man ihn messen?

Entschädigt Kinderreichtum für manch einen Verzicht den Eltern im Interesse der Kinder aufbringen?

Sind Menschen ohne Kinder wirklich ärmer?

Nachgedacht – Eva-Maria Grohmann